Langzeitpflegeforschung und Entscheide am Lebensende

Während viele Senioren bis ins hohe Alter über ein hohes Mass an Selbstständigkeit verfügen, zu Hause leben und ihren Alltag selbst oder mit (geringer) Unterstützung bewältigen, ist eine zunehmende Anzahl hochbetagter Senioren vermehrt auf Unterstützung angewiesen, welche in einer institutionellen Einrichtung wie einem Alters- oder Pflegheim geboten wird. Oftmals wohnen Senioren auch nach einem Spitalaufenthalt für eine beschränkte Zeit in einem Alters- und Pflegeheim (Aufnahme- und Übergangspflege), erhalten dort die notwendige Unterstützung, Therapie und Pflege und kehren anschliessend wieder nach Hause zurück.

Die Langzeitpflegeforschung befasst sich unter anderem damit, welche Effekte therapeutische und pflegerische Interventionen in Alters- und Pflegeheimen auf die Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität von Senioren haben können.

Das Zentrum Alter und Mobilität bearbeitet in Zusammenarbeit mit den Pflegezentren der Stadt Zürich Fragestellungen im Bereich der Langzeitpflege. So wird zum Beispiel untersucht, welche funktionellen Verbesserungen Senioren in der Akut- und Übergangspflege erzielen, um nach einer akuten Erkrankung eine Rückkehr in die Selbständigkeit zu erlangen.

Die Thematik der Entscheidungen am Lebensende wird in einem Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogram NFP67 „Lebensende“ bearbeitet. Die Klinik für Geriatrie hat zusammen mit dem Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) der Universität Zürich sowie der Universität Genf in diesem Rahmen die vom Schweizerischen Nationalfond unterstützte Studie Medizinische Entscheidungen am Lebensende durchgeführt. Die Studie soll aufzeigen, welche Entscheidungen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz am Lebensende der von ihnen betreuten Patienten treffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Studien, welche sich auf eine spezifische Erkrankung (z. B. Krebs) oder ein spezifisches Setting (z. B. die Intensivstation) beschränken, ermöglicht diese umfassende, auf der anonymen retrospektiven Untersuchung von 9000 zufällig ausgewählten Sterbefällen basierende Studie ein umfassendes Bild unabhängig von der Diagnose und dem Sterbeort. Dadurch dass alle drei Landesteile der Schweiz einbezogen wurden, werden auch entsprechende Quervergleiche möglich sein. Erste Ergebnisse wurden im März 2016 in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlich und stiessen auf grosses Interesse in der Öffentlichkeit.

Speziell für Menschen mit Demenz zeigte eine von der Klinik für Geriatrie bzw. dem Zentrum Alter und Mobilität in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften 2012/2013 durchgeführte Studie auf, dass über 70% der Betroffenen in den letzten drei Monaten an Schmerzen leiden. Eine weiterführende Studie geht nun den Ursachen dieses unzureichenden Symptommanagements am Lebensende von Menschen mit Demenz nach. Ziel ist u. a. die Erarbeitung eines Massnahmenkatalogs, um entsprechende Situationen frühzeitig erkennen und entsprechende Therapien einleiten zu können. 

Nicht zuletzt wirft die Betreuung von Demenzpatienten am Lebensende auch ethische Fragen auf. Das Zentrum Alter und Mobilität resp. die Klinik für Geriatrie beteiligen sich im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie an der Ausarbeitung entsprechender medizinisch-ethischer Richtlinien.