Stürze

Epidemiologie

30% der Menschen über 65 Jahre und 50% der Menschen über 80 Jahre stürzen mindestens einmal pro Jahr. Etwa 10% aller Stürze führen zu schwerwiegenden Verletzungen (z.B. Knochenbrüchen). Dies bedeutet für die betroffenen Patienten oft eine Einschränkung der Mobilität und somit der Unabhängigkeit und hat nicht selten eine Einweisung ins Pflegeheim zur Folge. Eine weitere, nicht zu unterschätzende, Folge von Stürzen ist die Sturzangst. Diese kann zu Inaktivität oder sozialem Rückzug führen und dadurch das Sturzrisiko erhöhen.

Risikofaktoren

Die Risikofaktoren für Stürze sind zahlreich. Man unterscheidet zwischen intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren. Intrinsisch sind jene Faktoren, die auf den Patienten zurückzuführen sind. Dazu gehören zum Beispiel Alter und Geschlecht, Gleichgewichts- und Gangstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Einnahme vieler verschiedener Medikamente oder Sturzereignisse in der Vergangenheit. Extrinsische Faktoren beziehen sich auf die Umgebungsbedingungen und umfassen unter anderem ungünstige Lichtverhältnisse, unebener Boden, Türschwellen und falsch eingestellte Gehilfen.

Wie ist ein Sturz definiert

Ein Sturz wird definiert als "Ereignis, in dessen Folge eine Person unbeabsichtigt auf dem Boden oder auf einer tiefer liegenden Ebene zu liegen kommt". Wichtig ist, dass jeder Sturz zählt und abgeklärt werden soll. Das UniversitätsSpital Zürich hat dafür im Test- und Diagnosezentrum eine Sturz-Sprechstunde eingerichtet.

Sturzerfassung

Jeder Sturz, sowohl in der Klinik als auch in der Forschung, sollte mit einem ausführlichen Sturzprotokoll erfasst werden. Die Analyse des Sturzprotokolls hilft, die Ursachen und Konsequenzen der Stürze zu eruieren.
Die Erfassung der Stürze in Studien beruht auf den Berichten und Meldungen der Studienteilnehmer. Erfasst werden die Stürze am ZAM telefonisch und mittels Tagebuch. Welche Methode zur Sturzerfassung die zuverlässigste ist, wird zurzeit in einer Doktorarbeit am ZAM untersucht.

Prävention

Regelmässige körperliche Aktivität gehört zu den erfolgreichsten Strategien um Stürze zu vermeiden.  Gleichgewichts- und Kräftigungsübungen wirken sich positiv auf das Sturzrisiko aus, unabhängig davon ob sie alleine zu Hause oder in einer Gruppe durchgeführt werden.
Am effizientesten sind multifaktorielle Präventionsmassnahmen. Also zum Beispiel solche, welche einerseits verschiedene Bewegungsübungen enthalten und anderseits andere Risikofaktoren (z.B. Vitamin D Mangel) berücksichtigen und therapieren. Vitamin D ist für eine gesunde Muskelfunktion essentiell und eine Supplementierung hat deshalb bei sturzgefährdeten Personen einen schützenden Effekt.

Dalcroze Rhythmik

Eine neue vielversprechende Sturzpräventionsmassnahme stellt die Seniorenrhythmik nach Jaques-Dalcroze dar. Bei dieser Methode werden Multitask-Aufgaben zu improvisierter Klaviermusik durchgeführt. Die Übungen fördern die Fähigkeit zwei Dinge gleichzeitig zu tun (Multitasking), was für ältere Menschen oft mit Schwierigkeiten verbunden ist. Bei der Rhythmik werden sowohl Motorik (Geh- und Gleichgewichtsfunktion) als auch Kognition (Aufmerksamkeit, Gedächtnis) geschult.
Die Wirkung der Rhythmik auf das Sturzrisiko bei älteren Menschen mit einer leicht eingeschränkten Gedächtnisfunktion wird derzeit in der Move for your Mind Studie (Pilot-Studie) am ZAM untersucht.