Bewegung und Eiweiss gegen Muskelabbau im Alter

Die Klinik für Geriatrie des Universitätsspitals Zürich setzt auf Forschung im Bereich altersbedingter Muskelschwund und appelliert damit an regelmässiges Training und eine eiweissreiche Ernährung.bewegung-alter.jpg

Mit zunehmendem Alter verlieren wir an Muskelmasse und Muskelkraft. Ist der Muskelabbau jedoch stärker als für das Alter normal, spricht man von Sarkopenie. Sarkopenie gilt als Vorstufe der Gebrechlichkeit. Diese hat wiederum oft Stürze und Verlust der Unabhängigkeit zur Folge.

Rund die Hälfte aller über 80-jährigen Personen sind von Sarkopenie betroffen. Jedoch schleicht sich die Krankheit bereits viel früher ein, nämlich zwischen dem 50.  und dem 60. Lebensjahr. Wobei der Krankheitsverlauf sich ab dem 70. Lebensjahr rasch beschleunigt. Frauen und Männer sind gleichermassen betroffen.

Klinisch gesehen lässt sich Sarkopenie in eine primäre und eine sekundäre Form unterteilen. Die primäre Sarkopenie wird durch negative Lebensstilfaktoren, wie Immobilität und eine eiweissarme Ernährung begünstigt. Eine eiweissreiche Ernährung ist besonders im Alter wichtig, denn sie unterstützt den Muskelaufbau. Das Protein beliefert die Muskeln mit wichtigen Bausteinen wie Aminosäuren. Ältere Menschen benötigen rund 25 Prozent mehr Eiweiss als jüngere, um die Knochenstruktur und Muskulatur zu erhalten.

Bei der sekundären Sarkopenie spielen systemische Erkrankungen wie chronische Entzündungen, Krebs, Medikamente und Ernährungsdefizite die Hauptrolle, so die Professoren Robert Theiler und Heike A. Bischoff-Ferrari von der Klinik für Geriatrie am Universitätsspital Zürich.

Wie behandelt das USZ Sarkopenie?

Seit zwei Jahren können im Rahmen einer Sarkopenie-Sprechstunde oder des Healthy & Active Aging Check-Ups Muskelmasse, Knochendichte sowie Muskelfunktion mittels einer radiologischen Methode gemessen werden. «Darüber hinaus ist auch die Ultraschallmethode Sonographie in Evaluation», sagt Bischoff-Ferrari.

Wie funktioniert die Sonographie? Für die Aufnahmen wird ein übliches, portables Ultraschallgerät mit einem einfachen Plexiglas als Reflektor kombiniert. Die darin enthaltene Software berechnet aus den Ultraschalldaten die Geschwindigkeit der Schallwellen. Diese Messung dauert zwei Minuten und die Patienten müssen nicht in die Röhre, wie beim CT oder MRI. «Die Erforschung von Massnahmen zur Prävention und Behandlung der Sarkopenie hat einen hohen Stellenwert in der modernen Altersforschung mit dem Ziel ‘gesundes Altern’ zu fördern und ‘Gebrechlichkeit’ abzuwenden», so Bischoff-Ferrari weiter.

Das primäre Behandlungsziel ist Ursachen bestmöglich zu beheben. «Dazu stehen muskelaufbauende Massnahmen wie Trainingsprogramme und eine erhöhte Eiweisszufuhr im Vordergrund», so Theiler. Ein ideales Training umfasst Kraft-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen. Je älter die Person ist, desto länger dauert die Trainingstherapie.

Eine medikamentöse Therapieform gibt es bis heute nicht. Das Zentrum Alter und Mobilität des USZ führt derzeit eine Studie zur Prävention von Sarkopenie und Gebrechlichkeit bei 800 älteren Erwachsenen durch. Untersucht werden ein Trainingsprogramm und ein Molke-Eiweiss-Supplement.
Es ist deshalb ratsam, spätestens ab dem 50. Lebensjahr auf eine Ernährung mit erhöhter Eiweisszufuhr zu achten sowie regelmässige angepasste sportliche Aktivitäten auszuüben.


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